Anlagestrategien an der Börse

Der Börsenhandel erscheint vielen Menschen als eine Art Glücksspiel. Dabei ist es durchaus möglich, mit verschiedenen Anlagestrategien das eigene Vorgehen zu planen und konzentriert zu verfolgen. Welche Strategie dabei im Einzelnen verfolgt wird, ist abhängig vom vorhandenen Vermögen, der individuellen Risikobereitschaft sowie der konjunkturellen Gesamtlage.

Anlagestrategien bringen Klarheit ins Depot

Wer an der Börse investiert, kann viel gewinnen, aber auch enorme Verluste erzielen. Vor allem Anleger, die einzig auf ihr „Bauchgefühl“ vertrauen und darauf wetten, dass der Börsenkurs einer Aktie schon steigen wird, müssen dies oft leidlich erfahren. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, Anlagestrategien zu nutzen und damit eine klare Linie zu verfolgen. Als Anlagestrategie selbst bezeichnet man alle Vorgehensweisen, die private oder institutionelle Investoren bei ihren Anlageentscheidungen nutzen. Dabei ist es möglich, grob zwischen einer eher konservativen und einer aggressiven Anlagestrategie zu unterscheiden. Bei konservativen Strategien entscheiden sich Anleger, erworbene Wertpapiere längerfristig zu halten und von den Chancen des jeweiligen Unternehmens zu profitieren. Um die Risiken zu streuen, wird in diesem Fall zumeist in mehrere Aktien unterschiedlicher Branchen investiert, um eventuelle Kursverluste in einem Bereich mit Kursgewinnen in anderen Bereichen zu kompensieren. Auch Anlagen in Investmentfonds werden von diesen Anlegern gern gewählt, da die Entscheidungen für gewisse Wertpapiere hier an die Fondsmanager delegiert werden kann. Bei der aggressiven Anlagestrategie steht eher der kurzfristige Anlageerfolg im Vordergrund. Dafür gehen Anleger auch größere Risiken ein und erwerben Zertifikate und Optionsscheine. Zudem finden recht häufig Käufe und Verkäufe statt, um bereits erzielte Gewinne kurzfristig zu realisieren.

Passive Investmentstrategien nehmen an Bedeutung zu

Passive Anlagestrategien sind in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Bei dieser Anlagestrategie versuchen Investoren nicht, die Rendite des Vergleichsindex, etwa des DAX oder des Dow Jones, zu schlagen. Vielmehr wird versucht, den jeweiligen Index weitgehend genau abzubilden, um dessen Rendite zu erreichen. Die Begründer der passiven Anlagestrategie gehen in diesem Zusammenhang davon aus, dass Privatanleger auch mit aktiven Anlagestrategien kaum bessere Renditeergebnisse erreichen, da die Märkte in sich weitgehend effizient sind. Vor allem die internationale Vernetzung sorgt nach Ansicht der Experten dafür, dass sich wichtige Informationen in sekundenschnelle verbreiten und damit allen Anlegern zur Verfügung stehen. Käufe und Verkäufe werden zudem immer häufiger auf elektronischem Wege durchgeführt, was stets zu einer fairen Preisberechnung führt. Einzelne Marktteilnehmer haben in der Folge kaum mehr die Möglichkeit, schneller als der Markt zu reagieren und höhere Gewinne zu realisieren. Lediglich bei unerwarteten Entwicklungen könnte eine Gewinnmaximierung erreicht werden. Solche Wetten jedoch wären wiederum mit einem höheren Risiko wie auch einem deutlich höheren Aufwand verbunden. Gleichzeitig verursachen häufige Kauf- und Verkaufsaufträge auch höhere Kosten, die die Rendite negativ beeinflussen.

Mit Exchange Traded Funds passiv investieren

Anleger, die passiv investieren wollen, greifen immer häufiger auf Exchange Traded Funds, den so genannten ETF´s, zurück. Diese börsengehandelten Indexfonds verbinden die Vorteile von klassischen Indexfonds mit einer Investition in Aktien. Bis vor wenigen Jahren wurden diese vorwiegend in den USA angeboten, mittlerweile sind sie aber auch in Europa sehr beliebt. Mit diesen Finanzinstrumenten haben Fondsmanager die Möglichkeit, einen Markt oder einen Index sehr genau abzubilden. ETF´s sind aktuell sowohl für Indizes wie auch für Rohstoffe und Devisen verfügbar. Hierfür werden die zugrunde liegenden Wertpapiere in ihrer entsprechenden Gewichtung für den Fonds erworben, sodass ein genaues Spiegelbild erreicht werden kann. Sofern sich Anpassungen ergeben, werden diese natürlich übernommen. Hierdurch kann der Index nicht nur sehr genau nachgebildet werden, für Anleger bietet dieses Vorgehen auch eine enorme Transparenz, die bei vielen anderen Investmentfonds nicht erreicht werden kann. Grundsätzlich ist es natürlich möglich, einen Index selbst nachzubilden, dies jedoch würde höhere Kosten verursachen. Da der Fondsmanager nicht aktiv reagieren muss, sind die Kosten im Vergleich zu klassischen, aktiv gemanagten Fonds deutlich geringer. ETF´s hingegen daher äußerst günstig und bieten Anlegern gleichzeitig die Chance, in einen breiten Korb von Aktien zu investieren. Der Handel ist zu den jeweiligen Börsenöffnungszeiten mit jedem Wertpapierdepot möglich.

Dem Trend folgen

Die Trendfolgestrategie ist eine aktive Handelsstrategie. Sie setzt auf die Annahme, dass sich einmal herausgebildete Trends über einen längeren Zeitraum fortsetzen und Anleger so von einer „Gruppendynamik“ profitieren können. Nicht umsonst wird an der Börse häufig der Satz verwendet: „The Trend is your friend“. Um einen Trend zu identifizieren, werden Kursdaten aus der Vergangenheit herangezogen. Anleger suchen also gezielt nach Werten, die bereits Kursgewinne erzielt haben, um weiter von diesem Trend zu profitieren. Grundlage dieser Strategie sind so genannte Trendfolgeindikatoren. Sie zeigen, wann sich ein neuer Trend herausgebildet hat und ob es sich lohnt, diesem Trend zu folgen. Da ein solcher Trend oft erst nach Tagen erkannt werden kann, laufen Trendfolger einem Kursanstieg häufig hinterher. Gleichzeitig müssen sie einige Verluste in Kauf nehmen, wenn sich der Trend umkehrt, denn auch eine Trendabkehr ist oft erst nach einiger Zeit zu erkennen. Auch muss darauf geachtet werden, dass ein Trendindikator nicht anzeigt, wie stark und wie lange ein solcher Trend ist, sondern lediglich, dass er existiert. Aus diesem Grund ist es für Anleger bei dieser Strategie wichtig, jederzeit über aktuelle Entwicklungen informiert zu sein, um reagieren zu können. Besonders erfolgreich ist eine solche Strategie vor allem in einem insgesamt positiven Marktumfeld. Bei volatilen Märkten hingegen ist sie eher weniger geeignet.

Die Trendfolgestrategie in der Praxis

Anleger, die auf die Trendfolgestrategie setzen, investieren bei einem erkannten Trend in das jeweilige Wertpapier. Geht die Strategie auf, steigt der Kurs weiter und Anleger können das Papier später mit entsprechendem Gewinn verkaufen. Nicht immer jedoch bleiben Trends auch tatsächlich Tage, Wochen oder gar Monate bestehen. Um Kursveränderungen aufgrund externer Einflüsse und eventuelle Fehlindikatoren zu berücksichtigen, werden Käufe in der Regel abgesichert. Dies erfolgt mit dem Setzen einer Sopp-Loss-Marke. Gleichzeitig mit dem Kauf wird also ein Verkauf eingestellt, der allerdings erst bei Erreichen dieser Marke ausgeführt wird. Sollte sich der Trend umkehren, erfolgt demnach ein automatischer Verkauf, der die Verluste begrenzt. Sinnvoll ist es, die Stopp-Loss-Marke bei positivem Kursverlauf stetig nach oben anzupassen, um Gewinne abzusichern.

Mit der Umkehrstrategie dem Trend entgegen wirken

Im Unterschied zur Trendfolgestrategie raten Experten bei der Umkehrstrategie dazu, einem ausgebildeten Trend genau nicht zu folgen und bildlich gesprochen gegen den Strom zu schwimmen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem antizyklischen Investment. Aktien sollten demnach genau dann gekauft werden, wenn sie stark verlieren oder über einen längeren Zeitraum kaum Gewinne erzielt haben. Dies setzt natürlich viel Mut und Selbstbewusstsein, aber auch einiges Wissen voraus. Neben der Tatsache, dass der Kursverlauf einer Aktie in der Vergangenheit eher negativ war, sollten Investoren auch einen Blick auf die fundamentalen Werte des jeweiligen Unternehmens werfen. Schließlich wäre es leichtsinnig, lediglich auf steigende Kurse zu hoffen. Ist der Unternehmensgewinn negativ, könnte eine Aktie, die bereits 50 Prozent verloren hat, durchaus noch höhere Verluste einfahren. Unternehmen jedoch, die in der Vergangenheit hohe Umsätze und Gewinne erzielt haben, an der Börse aber eher unbeachtet geblieben sind, könnten durchaus entdeckt werden. Wer dann bereits investiert ist, profitiert vollständig von einem möglichen Trend. Die Umkehrstrategie ist also eher eine Strategie für Profis und beinhaltet deutliche Risiken.

Die Value Investing Strategie für gezieltes Investieren

Beim Value Investing wird in Aktien investiert, die aktuell unterbewertet sind, langfristig aber durchaus die Chance haben, enorme Kursgewinne zu erzielen. Diese Strategie beispielsweise verfolgt der wohl bekannteste Investor Warren Buffet und erreichte damit enorme Gewinne. Investoren verfolgen hierbei keine Trends, sondern versuchen, ein Unternehmen zu analysieren. Warren Buffet verfolgt dabei die Prämisse, dass er ausschließlich in Firmen investiert, bei denen er versteht, in was sie investieren und wie sie ihr Geld verdienen. Diesen Grundsatz sollten auch Privatinvestoren beherzigen, denn nur wer versteht, welchen Geschäftsansatz ein Unternehmen verfolgt, kann dieses gezielt bewerten. Kaufentscheidungen werden hier auf Basis der Fundamentalanalyse getroffen. Im Rahmen einer solchen Analyse werden verschiedene Werte wie etwa der Substanzwert sowie der Ertragswert eines Unternehmens bestimmt. Hiermit ist es möglich, den inneren Wert einer Firma zu berechnen und diesen mit der aktuellen Börsenkapitalisierung zu vergleichen. Da die Fundamentalanalyse vor allem für Laien recht schwer ist, kann in diesem Bereich auf Angebote von Brokern oder Analysehäusern zurückgegriffen werden, die derartige Analysen professionell durchführen. Dabei gilt, dass das Risiko eines Investments umso geringer ist, je größer die Differenz zwischen dem inneren Wert und dem aktuellen Marktwert ist. Zu beachten ist, dass es bei einer solchen Strategie wichtig ist, Geduld zu wahren, denn kurzfristige Gewinne sind meist nicht erzielbar. Vielmehr sollte eine Aktie in diesem Bereich Monate oder gar Jahre gehalten werden, um ihr volles Potenzial nutzen zu können.

Mit der Dividendenstrategie langfristig erfolgreich sein

Eine ebenfalls eher konservative Strategie ist die Dividendenstrategie. Sie geht von der Tatsache aus, dass Unternehmen, die hohe Dividenden auszahlen, großen Wert darauf legen, ihre Aktionäre nicht zu enttäuschen. In der Regel handelt es sich bei diesen Unternehmen auch um große und traditionsreiche Firmen, die bereits in der Vergangenheit als sehr verlässlich eingestuft wurden und gleichmäßige Erträge erzielen. Junge Unternehmen hingegen haben kaum die Möglichkeit, erzielte Gewinne an ihre Aktionäre auszuschütten. Sie werden daher für entsprechende Investments nicht gewählt. Um die Dividendenrendite eines Titels zu berechnen, wird die vom Unternehmen ausgeschüttete Dividende durch den aktuellen Aktienkurs geteilt und mal 100 gerechnet. Eine Liste mit Aktienwerten, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen, ist auch online zu finden. Da diese Unternehmen eher solide sind und gleichzeitig eine regelmäßige Dividende ausschütten, erzielen Anleger hier eine oft höhere Rendite als bei vergleichbaren Aktieninvestments ohne Dividende. Zumal diese in vielen Fällen auch in einem negativen Marktumfeld gezahlt wird. Auch ohne Kursgewinne können Anleger demnach Gewinne erzielen. Wer die Dividendenstrategie nicht aktiv verfolgen will, kann in diesem Segment auch auf Investmentfonds mit entsprechender Strategie setzen. Hier entscheiden die Fondsmanager, in welche Werte investiert wird, um eine höchstmögliche Rendite zu erzielen. Als Anleger hingegen kann man sich getrost zurücklehnen. Wie bei der Value Investment Strategie ist allerdings auch diese Strategie auf ein eher langfristiges Investment ausgelegt, was einen entsprechenden Anlagehorizont voraussetzt.

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