Ordertypen an der Börse und im Direkthandel

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Anleger entschieden, ihre Geldgeschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Sie nutzen ein Wertpapierdepot bei einem Direktbroker, der ihnen nicht nur preisliche Vorteile bietet, sondern auch eine schnelle Ausführung ihrer Aufträge ermöglicht. Mit verschiedenen Ordertypen wird es jetzt noch einfacher, auf Marktveränderungen zu reagieren und Handelsvorteile zu erzielen.

Klassische Orders für einfache Ausführungen

Anleger, die Aktien, Anleihen oder Zertifikate handeln wollen, können ihre Aufträge heute vielfach ganz allein über Direktbroker abwickeln. Da auf eine Beratung vor Ort in einer Bankfiliale verzichtet wird, können die Orders nicht nur günstiger angeboten werden. Der Handel ist auch bequem online möglich und kann direkt vom heimischen PC und sogar über das eigene Smartphone abgewickelt werden. Wichtig ist jedoch, dass sich Anleger nicht nur über die gewünschten Papiere, sondern auch die verschiedenen Ordertypen informieren. Sie bieten nämlich Gelegenheit, den Auftrag zu präzisieren und damit Gewinne zu heben oder Verluste zu reduzieren.

Zu den klassischen Ordertypen im Wertpapierhandel gehören:

  • Market Order
  • Limit-Order
  • Stop-Order

Diese werden mittlerweile von jeder Bank und von jedem Broker angeboten und können über die Onlinesysteme eingegeben werden. Zu beachten ist hierbei, dass es bei Orderzusätzen vielfach auch höhere Preise gibt, die in den Preis-Leistungs-Verzeichnissen der Institute eingesehen werden können.

Die Market Order – Ausführung der Order zum nächstmöglichen Preis

Die Market Order ist die Standardorder an den Börsen. Werden keine weiteren Zusätze angegeben, wird der Auftrag zum nächstmöglichen Preis ausgeführt. Dies gilt sowohl beim Kauf wie auch beim Verkauf. An den Börsen werden im Sekundentakt anhand der vorliegenden Orders Preise auf Basis von Angebot und Nachfrage erstellt. Jedem Verkauf muss demnach ein Kauf gegenüberstehen. Angenommen, eine Aktie mit Kurswert von 58 Euro soll sofort verkauft werden und es findet sich ein Käufer, der derzeit 57,80 Euro bietet, wird der Auftrag sofort ausgeführt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass die Aktie „billigst“ gekauft oder „bestens“ verkauft werden soll. Dies hat zum einen den Vorteil, dass Aufträge kurzfristig ausgeführt werden können, gleichzeitig haben Anleger aber auch keine Möglichkeit, auf die Preise Einfluss zu nehmen.

Mit Limit-Orders Preisgrenzen festlegen

Im Unterschied zur Market Order haben Anleger bei der Limit-Order die Chance, die Preise zu beeinflussen. Bei einer Verkaufsorder beispielsweise wird angegeben, welcher Preis wenigstens erzielt werden soll. Steht die Aktie aktuell bei 58 Euro, soll aber nicht für weniger als 59 Euro verkauft werden, wird der Auftrag erst dann ausgeführt, wenn der Wunschpreis erreicht wurde. Auch bei Kaufaufträgen kann eine solche Order sinnvoll sein, um nicht zu viel zu bezahlen. Steht die genannte Aktie derzeit bei 58 Euro, kann die Limit-Order bei 58,50 Euro gesetzt werden. Der Kaufauftrag wird in diesem Falle nur dann ausgeführt, wenn Verkäufer bereit sind, ihre Papiere zu diesem Preis herzugeben. Limit-Orders können vor allem bei stark schwankenden Kursen interessant sein. Sie sind aber auch zu empfehlen, wenn Anleger in wenig frequentierten Märkten unterwegs sind, denn in diesen Fällen können sich schon bei geringen Orderstückzahlen hohe Ausschläge nach oben oder unten ergeben. Auch bei Indexfonds ist es wichtig, ein Limit beim Kauf und Verkauf einzugeben, um sich die jeweiligen Preise zu sichern.

Stop-Orders helfen, Verluste zu begrenzen

Stop-Orders werden von zahlreichen privaten Investoren genutzt. Sie kann helfen, erreichte Gewinne zu sichern und Verluste zu begrenzen. Mit einer Stop-Loss-Order beispielsweise ist es möglich, eine Preisuntergrenze anzugeben, zu der der Auftrag mindestens ausgeführt werden soll. Damit geben Anleger an, welchen Verlust sie bereit sind, einzugehen. Wird beim aktuellen Preis von 58 Euro eine Stop-Loss-Order zum Kurs von 50 Euro eingegeben, sind Anleger bereit, einen Verlust von 8 Euro pro Aktie zu akzeptieren. Wird der Preis von 50 Euro schließlich erreicht, geht die Order in das Market Marker System der Händler über und wird zum nächstmöglichen Preis ausgeführt. Dies beinhaltet natürlich auch das Risiko, dass Orders bei kurzfristigen Schwankungen ausgeführt werden und Anleger „ausgestoppt“ werden. Zudem muss beachtet werden, dass die Ausführung zum nächstmöglichen Preis erfolgt, der durchaus deutlich unter dem gesetzten Limit liegt. Um dies zu vermeiden, bietet sich die Stop-Limit-Order an, die einen definierten Unterpreis garantiert. Stop-Orders können aber nicht nur beim Verkauf, sondern auch beim Kauf eingesetzt werden. Bei der Stop-Buy-Order wird der Ausführungspreis oberhalb des aktuellen Kurses gesetzt, um bei steigenden Märkten „auf den Zug aufzuspringen“.

Intelligente Ordertypen sorgen für mehr Flexibilität

Die oben genannten Ordertypen haben sich an der Börse und auch im Wertpapierhandel bei den Brokern bereits etabliert. Sie setzen jedoch voraus, dass sich Anleger stetig mit ihren Aktien beschäftigen und eventuelle Stop- oder Limit-Orders regelmäßig eingeben und die Limite überwachen. Neue, intelligente Ordertypen sollen helfen, diesen Nachteil auszugleichen und Anlegern noch mehr Flexibilität bieten.

Die neuen Ordertypen in der Übersicht:

  • Trailing-Stop-Order: Stop-Orders werden komfortabel nachgezogen
  • One-Cancels-Order: Kursgewinne sind in steigenden und fallenden Märkten möglich
  • Order-on-Event: Ausführungen werden an einen Indikator gebunden

Unabhängig davon, welcher Ordertyp genutzt wird, ist es möglich, vorab festzulegen, ob diese später als Market Order oder als Limit-Order ausgeführt wird. Dies gibt zusätzliche Freiheit und hilft, Kursgewinne zu sichern oder Verluste zu begrenzen.

Die Trailing-Stop-Order

Mit einer Limit-Order bei einem Aktienverkauf soll erreicht werden, dass die Aktie bei einem bestimmten Verlust automatisch verkauft wird. Eventuelle Verluste werden so begrenzt. Sollte die Aktie jedoch steigen, erhöht sich die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs und dem gesetzten Stop-Limit. Dieses müsste nun manuell nachgebessert werden. Seit Oktober 2012 wird daher die Trailing-Stop-Order angeboten. Sie folgt vorhandenen Preisschwankungen selbstständig und zieht die Limit-Order entsprechend der Preisentwicklung nach. Dabei ist es Anlegern individuell möglich, die gewünschte Differenz zum derzeitigen Marktpreis entweder in Prozent oder als Eurobetrag anzugeben. Steigt der Preis, wird das Limit automatisch angepasst. Wird in unserem Beispiel die Aktie zu 58 Euro gekauft und soll zu minimal 50 Euro verkauft werden, entspricht dies einer Differenz von 8 Euro. Wird diese dauerhaft angegeben, wird die Limit-Order bei einem Kursanstieg auf 60 Euro nachgezogen. Der Mindestverkaufspreis liegt dann bei 52 Euro. Sinkt die Aktie, erfolgt keine Veränderung. Bei einem Kauf hingegen kann die Trailing-Stop-Order helfen, den Einstiegspreis zu senken.

One-Cancels-Order

Wird eine Limit-Order eingestellt, müssen Anleger immer angeben, ob es sich um eine Kauf- oder um eine Verkauforder handelt. Bei der One-Cancels-Order hingegen werden beide Varianten miteinander kombiniert. Kommt einer der beiden Aufträge zur Ausführung, wird der jeweils andere gelöscht. So können Anleger sowohl in steigenden wie auch in fallenden Marktphasen Gewinne erzielen. Steht die gewählte Aktie derzeit bei 58 Euro, kann ein Stop-Loss bei 50 Euro eingesetzt werden, um weitere Verluste zu begrenzen. Um gleichzeitig von steigenden Preisen zu profitieren, wird mit der Eingabe des Stop-Loss auch ein Verkaufslimit oberhalb der aktuellen Kurse, etwa bei 65 Euro, eingegeben. Erreicht die Aktie nun diesen höheren Wert, wird sie mit Gewinn verkauft. Der Stop-Loss hingegen kann gelöscht werden. Sollte die Aktie hingegen stark fallen und sollte der Stop-Loss ausgelöst werden, wird das obere Verkaufslimit ausgesetzt. Die One-Cancels-Order kann ebenso beim Kauf eingesetzt werden. Fällt die Aktie, kann diese zu einem günstigeren Preis gekauft werden, steigt sie leicht, können Anleger von einem eventuell bereits intakten Aufwärtstrend profitieren.

Order-on-Event

Zu den innovativen Ordertypen gehört auch der Auftrag Order-on-Event. Der Kauf- bzw. der Verkaufsauftrag wird in diesem Fall nicht selbstständig ausgeführt, sondern an eine andere Marktkomponente gekoppelt. Anleger haben in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, einen Referenzwert anzugeben, zu dem die Order ausgeführt werden soll. Wird dieser Referenzwert erreicht, werden Kauf bzw. Verkauf ausgeführt. Im Unterschied zur klassischen Limit-Order ist es hier möglich, auch andere Komponenten zu berücksichtigen und so die Marktveränderungen individuell für sich zu nutzen. Soll beispielsweise eine Aktie aus dem Segment der Lebensmittelbranche gekauft werden, ist es möglich, den jeweiligen Referenzindex anzugeben. Erreicht dieser einen bestimmten Wert, wird die Aktie gekauft. So wird die Chance auf steigende Kurse deutlich erhöht.

Gültigkeitsbeschränkungen bei Orders

Bei der Eingabe von Orders ist es möglich, deren Gültigkeitsdauer individuell anzugeben. Man unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen einer tagesaktuellen Order, einer unbefristeten Order und einer Order, die bis zu einem bestimmten Termin gelten soll. Wird ein Auftrag tagesaktuell eingestellt, gilt sie ausschließlich am jeweiligen Tag der Orderaufgabe. Lediglich dann, wenn der Auftrag nach Handelsschluss eingegeben wird, gilt er für den darauf folgenden Tag. Kann die Order nicht ausgeführt werden, etwa weil der Limit-Kurs nicht erreicht wird, erfolgt am Abend die Orderlöschung. Soll der Auftrag bis zu einem bestimmten Tag gelten, wird die Order bei Nichtausführung schließlich zu diesem Datum gelöscht. Unbefristete Aufträge bleiben hingegen so lange im Orderbuch, bis sie schließlich zur Ausführung gelangt sind. Erst nach 360 Tagen erfolgt die Annulierung.

Ausführungsbeschränkungen beachten

Aufträge können an der Börse nur dann ausgeführt werden, wenn Käufer und Verkäufer mit ihren jeweiligen Preisvorstellungen zusammenfinden. Nicht immer jedoch ist dies möglich. Aus diesen Gründen können Ausführungszusätze angegeben werden, durch die auch Teilabrechnungen durchgeführt werden können. Nur dann, wenn Anleger die Full-or-Kill-Order nutzen, wird der Auftrag entweder vollständig getätigt oder gelöscht. Wenn also ein Kaufauftrag zu 58,50 Euro ausgeführt werden soll, aber kein Verkäufer gefunden werden kann, muss die Order gelöscht werden. Eine solche Order kann sinnvoll sein, um sehr kleine Teilorders, die mit oft hohen Kosten verbunden sind, zu vermeiden. Bei der Immidiate-or-Cancel-Order sind auch Teilausführungen möglich. Nicht ausgeführte Teile müssen aber auch hier gelöscht werden. Können also anstelle der 100 gewünschten Aktien lediglich 60 gekauft werden, wird der Auftrag über die verbleibenden 40 Aktien gelöscht. Letztlich besteht für Anleger noch die Möglichkeit, die Auction-only Order zu nutzen. Solche Aufträge werden nicht im fortlaufenden Handel ausgeführt, sondern werden an die drei regulären Auktionen weitergeleitet. Gerade bei weniger gehandelten Papieren kann dies sinnvoll sein, um einen fairen Preis zu erzielen.

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