Wertpapiere: Kein Schadensersatz für Anlageberatung

Wertpapiere: Kein Schadensersatz für Anlageberatung

In der derzeitigen Niedrigzinsphase sind Aktien eine gute Alternative für Sparer. Doch immer weniger Banken bieten überhaupt Beratungen in Sachen Wertpapiere an. Hintergrund sind neue gesetzliche Regelungen, die Verbraucher besser schützen und Klagen wegen Falschberatung erleichtern sollen. Doch nicht immer können Schadenersatzforderungen durchgesetzt werden, wie ein aktuelles Urteil zeigt.

Geklagt hatte eine Kundin der Commerzbank, die sich falsch beraten gefühlt hatte. Zuvor hatte sie ein Wertpapierdepot bei der Bank eröffnet, zwei Jahre später empfahl ein Bankberater den Tausch von Wertpapieren. Die Kundin folgte der Empfehlung und verkaufte Anteile an offenen Immobilienfonds und erwarb stattdessen Anteile an Dachfonds, diese versprachen nach Ansicht des Beraters mehr Sicherheit, weil das Risiko breiter gestreut war. Nach dem erfolgreichen Tausch der Wertpapiere erhielt die Bank fünf Prozent Provision. Im Jahr 2010 schließlich riet der Berater, auch die Dachfonds-Anteile zu verkaufen, dieser Empfehlung folgte die Kundin nicht. Eine teure Fehleinschätzung, wie sich später herausstellte, der Handel wurde eingestellt, die Rücknahme der Anteile ausgesetzt, mittlerweile wurde der betreffende Fonds abgewickelt. Im nun vorliegenden Urteil des Holsteinischen Oberlandesgerichts (AZ: 5 U 34/13) wies das Gericht nun die Forderung nach Schadensersatz zurück. Demnach hätten die Berater beim Tausch von Wertpapieren keine besonderen Beratungsanforderungen zu erfüllen. Es gelten vielmehr die Pflichten wie beim erstmaligen Kauf von Wertpapieren. So müssen Berater entsprechend des Risikoprofils des Kunden anlegergerechte und objektive Empfehlungen aussprechen, nach der Ansicht der Richter könnten zu strenge Beratungsrichtlinien jedoch zu einer „Versteinerung“ des Depots führen.

Immer weniger Beratungen zu Wertpapieren

Als Folge der Finanzkrise bestehen in Deutschland seit 2010 gesetzliche Regelungen für die Empfehlung von Finanzprodukten. So muss bei einer Beratung von Wertpapieren ein Protokoll angefertigt werden. Wird eine spezielle Aktie empfohlen, muss diese außerdem ein detailliertes Produktinformationsblatt aufweisen. Sind Kunden mit der Beratung unzufrieden, haben sie das Recht, bei der Bankenaufsicht BaFin eine Beschwerde einzureichen. Diese Regelungen sollen Kunden Klagen erleichtern, nach Zahlen des Bundesministeriums für Verbraucherschutz entstehen Privatkunden jedes Jahr Schäden in der Höhe von 20-30 Milliarden Euro infolge falscher oder mangelhafter Beratung. Die neuen Regeln haben aber nicht nur positive Folgen, so bieten immer weniger Banken überhaupt Beratungen an. Viele Berater empfehlen außerdem Produkte mit einem niedrigen Anlagerisiko oder Produkte, für die kein Protokoll erstellt werden muss. Nach aktuellen Zahlen der DWP Bank sowie einer Umfrage des Deutschen Aktieninstituts finden bei 160 der meistgehandelten Aktien nur noch zwei Prozent Beratungen statt, im Jahr 2009 waren es noch zehn Prozent gewesen. Immer mehr Kunden wandern außerdem ins Internet ab.

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